Bleigewichte - das unterschätzte Problem
Blei ist toxisch. Was jeder weiß, verdrängen viele beim Angeln. Jedes Jahr gelangen Tausende Tonnen Blei durch verlorene Gewichte, abgerissene Montagen und weggeworfene Sinker in europäische Gewässer.
Blei löst sich langsam im Wasser, lagert sich im Sediment ab und wird von Wasservögeln versehentlich gefressen. Höckerschwäne verenden häufig an Bleivergiftungen durch aufgenommene Angelgewichte. In der EU ist Blei in Größen unter 0,06 g in und an Gewässern bereits verboten (EU-Verordnung 2023). Größere Gewichte werden folgen.
Blei - Probleme
- Neurotoxisch für Vögel, Fische und Wasserorganismen
- Lagert sich dauerhaft im Sediment ab
- EU-weite Beschränkungen kommen schrittweise
- Verlorene Sinker und Bleischrot bleiben im Wasser
Alternativen
- Tungsten (Wolfram): dichter als Blei, kleiner, ungiftig
- Zinn: günstig, weich, leicht selbst gießbar
- Bismut: teurer, aber unbedenklich für Vögel
- Stahl (für Schrot/Wasserfederposen): EU-konform
Schnüre & Monofilament im Wasser
Monofile Schnur zersetzt sich in der Natur extrem langsam - je nach UV-Exposition und Temperatur dauert es 20-100 Jahre. Abgerissene Schnüre, Montagereste und alte Fluorocarbon-Vorfächer sind Vogel- und Säugetierfallen.
Abfälle sofort einsammeln
Abgerissene Montagen, Schnurreste, Haken-Verpackungen: alles in die Tasche. Nie ins Wasser oder ins Gebüsch werfen.
Schnur-Müll am Gewässer aufsammeln
Wenn ihr eine abgerissene Schnur seht - auch von anderen - einsammeln. In 5 Minuten verhindert ihr, dass ein Reiher oder ein Bisamratte sich darin verfängt.
Mono durch Geflochtene ersetzen wo möglich
Geflochtene Schnüre halten länger, verlieren weniger Material ins Wasser. Monofile Vorfächer durch Fluorocarbon ersetzen, das zumindest schwerer zu sehen ist.
Spezielle Schnur-Recycling-Behälter nutzen
Einige Angelvereine und Fachgeschäfte stellen Behälter für alte Schnüre auf. Der BLINKER und andere Verbände unterstützen solche Aktionen.
Müll am Gewässer - einfache Regel
Die Regel ist simpel und muss nicht weiter erklärt werden: Was man mitbringt, nimmt man mit. Wer das nicht einhält, verliert das Angeln an diesem Gewässer für alle - weil Grundstückseigentümer und Behörden sehen, was Angler hinterlassen.
Die Gewässer-Check-Liste beim Verlassen
- ✓ Alle Schnurreste und Montagen eingesammelt
- ✓ Alle Verpackungen, Dosen, Becher mitgenommen
- ✓ Köder-Eimer entleert (kein Wasser aus fremden Gewässern einleiten)
- ✓ Feuerstelle sicher gelöscht und Asche entfernt
- ✓ Angelstelle so verlassen wie vorgefunden
Praxis-Tipp: Nehmt immer eine Tüte mehr mit als ihr braucht. Die nutzt ihr, um Müll anderer einzusammeln. Wer 20 Angler pro Woche am Gewässer hat und jeder sammelt nur ein Stück Müll von anderen auf - das sind über 1.000 Stücke Müll pro Jahr, die nicht mehr im Gewässer landen.
Lebendköder & Köderfisch - was gilt
Lebendköder-Angeln ist in Deutschland nicht verboten, aber stark reguliert. Das Tierschutzgesetz verbietet das Verursachen unnötiger Schmerzen und Leiden - ein Köderfisch am Haken ist rechtlich in einer Grauzone, wenn er über längere Zeit lebend eingesetzt wird.
Köderfisch aus eigenem Gewässer
Nie Köderfische aus fremden Gewässern einsetzen. Das verschleppt Krankheiten (Karpfenherpes, Fischpest) und invasive Arten. Immer aus demselben Gewässer entnehmen oder aus zertifizierten Teichwirtschaften kaufen.
Toter Köderfisch ist oft besser
Für Hecht und Zander funktioniert toter Köderfisch genauso gut wie lebender - mit dem Vorteil, dass kein Tierschutzproblem entsteht. Frischer, richtig gefrierfischter Köderfisch ist für Raubfisch ähnlich attraktiv wie lebender.
Krebse und Muscheln als Köder
Keinen Signalkrebs oder invasive Muscheln als Köder einsetzen, die ihr an einem Gewässer gefangen habt, und dann damit an einem anderen Gewässer angeln. Das verbreitet invasive Arten aktiv.
Zugang & Verhalten am Gewässer
Angler genießen in Deutschland besondere Zugangsrechte zu vielen Gewässern - aber kein Recht, die angrenzenden Grundstücke zu betreten oder zu beschädigen. Jedes Fehlverhalten eines Anglers kostet möglicherweise die Genehmigung für alle anderen.
Nicht auf unbefestigten Wegen parken oder Uferwege blockieren
Kein offenes Feuer außerhalb ausgewiesener Plätze
Hunde an der Leine - Wasservögel und ihre Brut sind geschützt
Schonbereiche, Laichzonen und Absperrungen respektieren
Keine Ufervegetation beschädigen für besseren Zugang
Anderen Anglern, Spaziergängern und Naturschutzwächtern gegenüber freundlich bleiben